Friederich Werthmann (1927-2018)
Dokumente zu Werk und Leben

1956 zog der junge Bildhauer Friederich Werthmann von Barmen nach Kaiserswerth, wo er sich zunächst in der Friedrich von Spee Straße in einer alten Scheune seine Werkstatt und eine kleine Wohnung einrichtete.
1958 entdeckte er an der Alten Landstrasse das Ehemalige Landgericht Kreuzberg. Das 1709 erbaute Gebäude befand sich in einem verwahrlosten und durch mehrere Parteien verwohntem Zustand. In den Folgejahren konnte er Haus und Grundstück von einer Erbengemeinschaft erwerben - nicht zuletzt durch den erstmals ausgeschriebenen Kunstpreis der Jugend 1959, der mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Mark verbunden war.
Nach und nach restaurierte Werthmann das Gebäude mit seinem barocken Treppenhaus und seinen schönen Kölner Decken - als gelernter Maurer sorgfaältig und meist eigenhändig. Das alte Gerichtgebaäude wurde zum Wohnhaus, die ehemalige Einsegungshalle aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts aufgelösten Friedhofs Kreuzberg wurde zum Atelier des Bildhauers.
1963 heiratete Friederich die junge Fotografin Maren Heyne, die sich im Haus ihr Fotolabor einrichtete. Für beide wurde das Ehemalige Landgericht zum Arbeits- und Lebensmittelpunkt - und ein lebendiger Treffpunkt für Kollegen und Freunde aus allen Bereichen der Kunst und Kultur.

1966 schrieben Dieter Hülsmanns und Fridolin Reske in ihren „Ateliergesprächen“:
„Die romantische Vorstellung vom irdischen Lebensweg des Künstlers wird unbarmherzig entrümpelt, wenn man die hohen, hellen Räume des 1709 erbauten ehemaligen Amtsgerichts von Kaiserswerth betritt, in denen heute der Bildhauer Friederich Werthmann lebt. Kein standesgemäßes Hungertuch, kein vie de boheme, sondern unkonventionelles Leben zwischen alten Möbeln und modernen Bildern und Plastiken, eher das Heim eines Kunstsammlers denn eines Künstlers."

Foto: Roland Rossner,
Deutsche Stiftung Denkmalschutz, 2017